Wie schnell ist es passiert, man sieht im Zoo oder Fernsehen diese wunderbaren Tiere, und schon regt sich der Wunsch selbst Papageienhalter zu werden. Oder man hat gar die Chance einen zahmen Papagei im Bekanntenkreis zu bewundern, der mit seinem Pfleger in vollstem vertrauen schmust und spielt.
Der Wunsch bzw. die Sehnsucht selbst solch ein Tier zu besitzen sind zwar vollkommen verständlich für mich, dennoch sollte man auf jeden Fall auch erwähnen, dass es bei der Vogelhaltung auch Schattenseiten gibt.
Einem an der Vogelhaltung interessierten Mensch vorzumachen es wäre nur schön mit Papageien und Sittichen, muss auf jeden Fall vermieden werden, dagegen sollte man offen und ehrlich auch die nicht so schönen Seiten ansprechen, um dann abzuwägen und sich anschließend zu entscheiden ob man wirklich einen Papagei oder Sittich haben möchte.
So bleibt es wie im Punkt Haltung beschrieben ja nicht bei EINEM Papagei, sondern es sollte immer mindestens ein PAAR Papageien sein. Diese können natürlich auch mal krank werden, was dann oft immense Kosten bedeutet. Aber auch ohne offensichtliche Krankheit ist mindestens einmal jährlich ein Check-up beim vogelkundigen Tierarzt notwendig, der natürlich auch Geld kostet.
Aber an den Kosten soll es ja nicht scheitern, die hat man ja schließlich auch bei Hund und Katze.
Ein weiterer und für viele Neulinge nicht unerheblicher Punkt ist der Dreck. Papageien und Sittiche sind verspielte Tiere, die liebend gerne ihre Einstreu durch scharren in der Gegend verteilen, ihr Futter durch die Gegend werfen, mit Obst und Gemüse „schweinsen“ usw.
Gerade bei jungen Vögeln wird der Nagetrieb auch gern noch an Möbeln und Wänden abreagiert, oder die wertvolle Vase geht beim Freiflug zu Bruch. Einem Vogel ist egal ob die aufgestellte Deko ein Designerstück ist, oder vom Discounter. Als Papageienhalter lernt man schnell auf kostbare Deko zu verzichten, und wählt lieber bruchsichere Stücke.
Ebenso haben die meisten Papageien, besonders Aras und Kakadus eine sehr laute Stimme, die für die meisten menschlichen Ohren nicht unbedingt schön klingt, und die JEDER Vogel ab und zu auch gebraucht. Besonders in der Pubertät, der Zeit in der die Vögel geschlechtsreif werden, neigen einige Papageien und Sittiche zum schreien. Einziger Trost, es geht vorbei.
Dieser Trost klingt natürlich ziemlich schwach, wenn man einen Vogel zuhause sitzen hat, der seit Monaten schreit wie am Spieß.
Die meisten erwachsenen Vögel jedoch schreien nur aus Einsamkeit oder Langeweile, was wiederum beweist, wie wichtig Spielzeug und vor allem ein artgleicher, gegengeschlechtlicher Partner ist.
Auffälligkeiten, wie Schreien, aber auch Beissen in der Pubertät zeigen sich besonders oft bei Handaufzuchten, da diese bei fehlender Sozialisierung oft nicht verstehen was gerade mit ihnen passiert, und der einzige Partner den sie kennen, der Mensch, bestraft sie dann oft noch für ihr Fehlverhalten.
Weiteres Problem bei einem schreienden Vogel werden oft die Nachbarn. Auch wenn diese die ersten Jahre noch begeistert von den schönen Vögeln waren, endet diese Begeisterung jedoch meist bei stundenlangem Geschrei.
Auch sollte man sein eigenes Alter mit in Betracht ziehen. Wie viele Menschen hegen ein Leben lang den Traum von der Papageienhaltung, sehen aber ein, dass sie solange sie berufstätig sind einem Papagei nicht gerecht werden können. Daher wird gewartet bis zum Rentenalter, was an sich ja ein sehr verantwortungsvolles Handeln ist. Allerdings ist es dann verantwortungslos, wenn ein nestjunger Ara oder anderer Großpapagei, der 60 – 80 Jahre alt werden kann gekauft wird, ohne das der Verbleib im eigenen Todesfall geklärt ist.
Paare aus Nachlässen werden leider immer wieder auseinandergerissen und meistbietend „verscherbelt“ was ja wohl kaum im Interesse des Halters wäre. Daher sollte man als betagtere Person auch immer darüber nachdenken, ob man nicht auch bereit wäre, einem Abgabevogel, der ebenfalls schon etwas älter ist, ein neues Zuhause zu geben.
Aus persönlicher Erfahrung kann ich ganz ehrlich sagen auch Abgabetiere werden nach einiger Zeit Traumvögel wenn man sich mit ihnen beschäftigt, genau wie der handaufgezogene, nestjunge Traumvogel zum Alptraum mutiert, wenn man sich nicht mit ihm beschäftigt. Wie lange es bei „einem Vogel aus zweiter Hand“ genau dauert bis er Vertrauen fasst hängt jedoch meist mit den Erfahrungen zusammen, die der Vogel mit dem Mensch gemacht hat, wobei vor allem die in der Jugend zählen, jedoch in vielen Fällen nicht mehr nachvollziehbar sind.
Grundsätzlich kann gesagt werden, egal ob nestjung oder Abgabevogel aus 10. Hand, bis man einen Traumvogel hat, der absolut vertrauensvoll schmust, evtl sogar kleine Kunststückchen vorführt, auf Zuruf geflogen kommt und vielleicht sogar einige Wörter nachahmt, Vorher steht jede Menge harte Arbeit, Vertrauensarbeit, bei der die Vögel spielerisch lernen sich auf ihren Menschen verlassen zu können, wobei jedes Training egal ob Kunststückchen, oder Vertauen fassen, rein über positive Verstärkung stattfinden sollte. d.h. Wenn der Vogel seine Sache gut gemacht hat, wird er gelobt und belohnt (dies kann durch clickern verstärkt werden), macht er etwas falsch wird er ignoriert, und bekommt eine Zeit lang (ca eine Minute) keine Aufmerksamkeit (evtl verbunden mit Signalwort), jedoch wird NIEMALS bestraft.
Papageien brauchen täglich mindestens 3-4 Stunden Aufmerksamkeit von ihrem Pfleger. Wer diese Zeit nicht hat, bzw nicht „opfern“ will, sollte ebenfalls Abstand von Papageien nehmen.
Wer jedoch die hier angesprochenen „Nachteile“ in Kauf nimmt, und noch ein paar zusätzliche individuelle Macken, die jeder Vogel hat, der kann anfangen sich über Arten, Haltung, Ernährung etc. zu informieren.
